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1. Henkel gestärkt nach Ecolab-Verkauf
2. Schaden und Unfall prägen Assekuranz
3. Moody's im Tsunami
4. Mehr als nur KonTraG
5. Banken als Datenjäger und Sammler
Literaturhinweis:
Gleißner, Werner, und Everling, Oliver (Herausgeber): Rating-Software -
Welche Produkte nutzen wem?, Verlag Franz Vahlen, http://www.vahlen.de,
München 2007, 448 Seiten, ISBN 978 3 8006 3248 0.
Der Link zur Literatur von Dr. Oliver Everling:
http://books.everling.biz
Willkommen beim Everling Internet Newsletter Ausgabe 9/2008 vom 27. Februar 2008!
1. Henkel gestärkt nach Ecolab-Verkauf
Die Henkel KGaA (A2 neg/A stab/A- stab/CRESTA-SCORE: A) legt einen guten Jahresabschluss vor und kündigt den Verkauf der Ecolab-Beteiligung an. "Wir bewerten die guten Zahlen sowie die Entscheidung des Konzerns, die Refinanzierung der National Starch-Übernahme zu einem großen Teil aus Desinvestments zu tätigen, als bonitätsstärkend. Wir gehen davon aus, dass damit nach erfolgreicher Umsetzung des Desinvestments auch bei Moody’s kein Druck mehr auf das Rating besteht", sagt Nina Kilb, Credits Corporates vom Fixed Income Research der DZ BANK AG Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank aus Frankfurt am Main (http://www.dzbank.de).
Am 15. Februar 2008 erhielt Henkel die kartellrechtliche Genehmigung zur Übernahme des Klebstoffgeschäftes von National Starch. Bezüglich der Finanzierung der 2,7 Milliarden. GBP (rund 3,6 Milliarden Euro) teuren Übernahme legte sich der Konzern nun endlich fest, schreiben die Analysten der DZ BANK. Der überwiegende Teil des Kaufpreises soll durch den schrittweisen Verkauf der Ecolab-Beteiligung, deren Wert Henkel auf 2,5 Milliarden Euro beziffert, generiert werden. Eine endgültige Entscheidung, ob die gesamte Beteiligung oder nur Teile davon verkauft werden, ist noch nicht getroffen. Mit der Ankündigung des Verkaufs der Ecolab-Beteiligung setzt Henkel seine Tradition der teilweisen Refinanzierung großer Übernahmen durch Desinvestments fort.
Für das laufende Jahr ist Henkel verhalten optimistisch. Der Konzern erwartet ein organisches Umsatzwachstum von drei bis vier Prozent und einen überproportionalen Ertragsanstieg. Hierin sind Zukäufe und Desinvestments noch nicht enthalten. Der Düsseldorfer Konsumgüterhersteller legte seinen Jahresabschluss 2007 vor. Danach konnte der Konzern bei einem Umsatzanstieg von 2,6 Prozent auf € 13,1 Milliarden erneut ein überproportionales Wachstum des operativen Ergebnisses von 3,5 Prozent auf € 1,3 Milliarden vorweisen. Die EBIT-Marge steigt dadurch auf 10,3 Prozent und nähert sich so der Zielmarke von 12,0 Prozent, heißt es im "Corporate Express" der DZ BANK. Um dieses Ziel mittelfristig erreichen zu können und zur Kompensation von Preissteigerungen bei Vorprodukten kündigte Henkel ein Kostensenkungsprogramm an, mit dessen Hilfe ab 2011 jährlich 150 Millionen Euro gespart werden sollen. Die Kosten zur Umsetzung werden für 2008 auf rund 500 Millionen Euro veranschlagt.
2. Schaden und Unfall prägen Assekuranz
Die deutsche Schaden- und Unfallversicherung befindet sich derzeit in einem weicher werdenden Markt mit sinkenden Beiträgen und ansteigenden Schadenquoten in den wesentlichen Versicherungszweigen, berichtet die Ratingagentur Fitch Ratings in einer Telefonkonferenz zur Vorstellung der Studie Schaden- und Unfallversicherer in Deutschland. "Dies betrifft sowohl das Privat- wie auch das Gewerbliche- und Industrieversicherungsgeschäft", berichtet Tim Ockenga, Leiter des deutschen Versicherungsteams. Der jetzige Zyklus ähnelt seinen historischen Vorgängern, unterliegt dabei jedoch zusätzlich einer grundlegenden strukturellen Veränderung, welche nach Ansicht von Fitch die zukünftige Profitabilität, sobald der Zyklus dreht, beeinträchtigen wird.
Fitch Ratings ist der Ansicht, dass die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls eines deutschen Schaden- und Unfallversicherers derzeit gering ist. Gleichwohl hat die Agentur aufgrund der rückläufigen Profitabilität und dem erhöhten Wettbewerb im Oktober 2007 einen negativen Ausblick für den Sektor vergeben. Ein negativer Ausblick bedeutet, dass die Agentur von mehr Herabstufungen als Hochstufungen in den nächsten 12 - 18 Monaten ausgeht. Eine Überprüfung des negativen Ausblicks ist möglich, sofern belastbare Anzeichen für einen kürzeren und flacheren Zyklus vorliegen. Die Ratingagentur hat derzeit keine Indikatoren, dass dies 2008 geschehen wird.
Fitch Ratings veröffentlicht eine detaillierte Analyse der wesentlichen Versicherungszweige des deutschen Schaden- und Unfallversicherungsmarktes. Die Versicherungsanalysten Tim Ockenga, Christos Stavrianidis, Dr. Christoph Schmitt und Axel Grosspietsch geben darin einen Überblick des Marktes, wobei die „Underwriting performance“ sowie der Jahresüberschuss gesondert beleuchtet werden. Der Bereich Privatversicherung ist in die Teile Kraftfahrzeugversicherung, Rechtsschutz und private Sachversicherung (private Wohngebäude / Hausrat) unterteilt.
Im Bereich Industrieversicherung werden die einzelnen Zweige Transport, Industrielle Sach (Feuer & Technische Versicherungen), und Industrielle Haftpflicht mit D&O diskutiert, sowie das Schadensmanagement, historische Entwicklungen und das Auftreten neuer Wettbewerber im Markt. Die Gewerbliche Sachversicherung wird ebenfalls betrachtet. Der Bericht enthält darüber hinaus einen technischen Teil, welcher den Einfluss der Schaden- und Schwankungsrückstellung auf die Profitabilität der Versicherer beleuchtet. Dabei wird die Verzinsung der Rückstellungen in den Sparten sowie deren Abwicklung dargestellt, zum Teil mit Fitch-internen und auf Prism, dem stochastischen Kapitalmodell, basierenden Daten.
Die deutsche Schaden- und Unfallversicherung ist die Hauptquelle des Jahresüberschusses für die hiesige Assekuranz. Obwohl nur 34 Prozent der gebuchten Bruttobeiträgen in diesem Sektor erwirtschaftet werden, stammen 45 Prozent (Euro 1,3 Milliarden) des Jahresüberschusses (Quelle: BaFin Statistik 2006, Tabellenblatt x40) aus diesem Feld. Das entspricht 2,4 Prozent der gebuchten Bruttobeiträge, im Gegensatz zur Lebensversicherung mit 1,3 Prozent (Euro 1,0 Milliarden). Daher wird nach Ansicht von Fitch jede Veränderung der zugrunde liegenden Profitabilität der Schaden- und Unfallversicherung die Assekuranz überproportional betreffen.
3. Moody's im Tsunami
Die Ratingagentur Moody's zieht Konsequenzen aus der Finanzkrise. Im Interview mit Dietmar Palan vom manager magazin spricht Brian Clarkson, President und COO von Moody's Investors Service, über die Ursachen der US-Hypothekenkrise und die Fehler der Ratingbranche.
Machten es sich viele Banken nach Ausbruch der Subprime-Krise zunächst damit "bequem", ihre Abschreibungen mit zu guten Ratings der Agenturen zu begründen, kommen nun auf viele Institute als Antwort der Agenturen höhere Anforderungen zu. Moody's werde die Daten, die man von Banken anlässlich der Bewertung von Verbriefungen aus dem Hypothekensektor bekomme, künftig deutlich härter prüfen, sagte Brian Clarkson, President und COO von Moody's.
"Wir werden uns bestimmte Informationen in Zukunft von den Emittenten garantieren lassen. Und wir wollen bestimmte Punkte, die für die Qualität von Kreditportfolios entscheidend sind, künftig auch von unabhängiger dritter Seite überprüfen lassen", kündigte Clarkson an. Mit den Maßnahmen reagiert die Ratingagentur auf die Kritik, sie hätte Portefeuilles aus minderwertigen Hypothekenkrediten zu positiv bewertet.
Gleichzeitig räumte Clarkson ein, dass Moody's von der Entwicklung auf dem US-Immobilienmarkt teilweise überrascht worden ist. "Im Nachhinein muss ich sagen, dass wir das Ausmaß der potenziellen Schwierigkeiten unterschätzt haben. Wir waren auf ein schweres Unwetter vorbereitet und sind mitten in einen Tsunami hineingeraten", sagte der Topmanager.
Clarkson kritisierte seinerseits die Rolle der Hypotheken- und Investmentbanken bei der Entstehung der Krise: "Wir haben uns darauf verlassen, dass die Informationen korrekt waren, die wir von den verschiedenen Banken über die unterschiedlichen Kreditportfolios bekamen. Als die ersten Zahlungsausfälle eintraten und die Immobilien bewertet wurden, kam heraus, dass der Wert vieler Häuser um 40 oder 50 Prozent zu hoch eingeschätzt worden war. Dass Hypothekenbanken gegen die Regeln verstoßen würden, deren Einhaltung sie uns zuvor zugesichert hatten, und Kredite an Leute vergaben, an die sie nie hätten Geld verleihen dürfen, damit konnten wir nicht rechnen."
4. Mehr als nur KonTraG
Ein Risikomanagement, das im Sinne von KonTraG aufgebaut ist, ermöglicht einen Überwachungsmechanismus, der seinen Zweck als Früherkennungssystem von bestandsgefährdenden Risiken erfüllt. Die Instrumente eines solchen Systems sind ein Risikomanagement-Handbuch, in dem die Definition dessen, was überhaupt ein Risiko ist, die Risikopolitik, die Risikophilosophie und die Systematik zur Identifikation, Analyse und Bewertung von Risiken beschrieben sind, schreibt Dr. Michael Lomitschka, Leiter Konzern-Risikocontrolling der MVV Energie AG, in seinem Beitrag für das Buch "Risk Performance Management" im Gabler-Verlag (ISBN 978-3-8349-0726-4). "Ein solches System wird im Allgemeinen über eine Softwarelösung umgesetzt, welche das Überwachen von präventiven und reaktiven Maßnahmen ermöglicht und es existiert ein Limit-System, das vorab definiert, in welcher Höhe Risiken in einem Geschäftsbereich eingegangen werden können."
Risikomanagementsysteme, die allein nach KonTraG ausgerichtet bleiben, lassen jedoch viel Potenzial ungenutzt, warnt Lomitschka. Das Gesetz ist mit der Intention verfasst worden, den Anleger zu schützen. Wenn aber schon ein gewisser Aufwand betrieben wird, ein Unternehmen und damit seine Anteilseigner vor den Risiken zu schützen, dann müsste es doch ebenfalls im Sinne dieser sein, dass derselbe Aufwand für die Analyse von Chancen betrieben wird. Lomitschka: "Warum also das Risikomanagementsystem einseitig nutzen, wenn die Bewertung von Chancen eigentlich Teil desselben Identifikationsprozesses ist?"
Der Vorteil eines integrierten Risiko- und Chancenmanagements liegt auf der Hand, weist Lomitschka nach. Es wird das gesamte Potenzial der aktuellen wie auch zukünftigen Geschäftstätigkeit untersucht und damit transparent gemacht. Im Mittelpunkt der Analyse stehen damit nicht mehr nur Risiken, sondern Unsicherheiten, im Negativen wie im Positiven. Diese Erweiterung bringt dem Management neue, zusätzliche Informationen über die eigene Geschäftstätigkeit. So können die Ergebnisse aus der Analyse der Risiken und Chancen mit den Plandaten bzw. den Vorschauwerten zusammengeführt werden, um schon sehr frühzeitig Aussagen darüber treffen zu können, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Jahresergebnis unterschritten, erreicht oder übertroffen werden kann. "Ein um die Chanceseite erweitertes Risikomanagement kann auch dazu genutzt werden," ergänzt Lomitschka, "vor einer Investition alle möglichen zukünftigen und monetären Entwicklungen derselben auf das bestehende aktuelle Portfolio abzubilden und verschiedene Alternativen darzustellen."
Allen Erweiterungen über KonTraG hinaus ist gemein, dass der wesentliche Schlüssel das Bewerten von Risiken und Chancen gleichermaßen ist. Dabei ist es entscheidend, das Instrument der Aggregation zu beherrschen, da Risiken und Chancen nicht einfach addiert werden können. Heutige Hard- und Softwarelösungen machen die Aggregation um ein Vielfaches einfacher. In seinem Beitrag für das Buch "Risk Performance Management" werden aus Sicht des Autors die notwendigen Voraussetzungen beschrieben, um ein im dargestellten Sinne effizientes Managementsystem aufzubauen, und mögliche Entwicklungsbeispiele skizziert.
5. Banken als Datenjäger und Sammler
"Der klassische Risikomanagementprozess setzt sich aus der Identifikation, Analyse, Bewertung, Steuerung und Überwachung der Risiken zusammen. Dieser ist eingebettet in eine bankweit gültige Risikostrategie", sagt Oliver Tiebing von der Steria Mummert Consulting AG. Für die Risikosteuerung müssen geeignete Instrumente und Methoden eingesetzt werden. Daneben sind aufsichtsrechtliche Vorgaben zu berücksichtigen.
Oliver Tiebing ist Senior Manager im Bereich Banking bei der Steria Mummert Consulting AG. Dort verantwortet er im Competence Center Gesamtbanksteuerung alle Projekte in den Themen Gesamtbanksteuerung / Risikomanagement / Aufsichtsrecht. Vor seiner Tätigkeit bei Steria Mummert Consulting sammelte Herr Tiebing Berufserfahrung in den Bereichen Controlling, Risiko-Controlling und Gesamtbanksteuerung einer großen deutschen Sparkasse.
"Eine moderne, integrierte Risikosteuerung verlangt, dass für die im Risikomanagementprozess berücksichtigten Risikoarten Methoden- und Datenkonsistenz existiert. Nur in diesem Fall kann in der Risikotragfähigkeitsrechnung ein valider Gesamtbank-VaR verwendet werden", unterstreicht Tiebing. In seinem Beitrag für das Buch "Risk Performance Management" im Gabler-Verlag (ISBN 978-3-8349-0726-4) werden die Risikoarten jeweils getrennt voneinander bezüglich ihres Umsetzungsstandes betrachtet.
Tiebing verweist auf eine aktuelle Studie seiner Gesellschaft: Nahezu alle befragten Banken sammeln bereits Verlustdaten für Kreditrisiken und Operationelle Risiken. Im Bereich der Kreditrisiken sammeln auffallend viele Banken Verlustdaten, obwohl sie sich im Rahmen der Umsetzung von Basel II zunächst nur für den Kreditrisikostandardansatz (KSA) entscheiden haben. Da diese Institute keine Datenbank für Verluste aus Kreditrisiken vorhalten müssen, haben sie bereits im Vorgriff auf den Gang zu einem nächst höheren Bemessungsansatz eine Datenbank aufgebaut.
Im Bereich der Operationellen Risiken sammeln insbesondere die Banken mit der Zielsetzung „Umsetzung Standardansatz resp. Advanced Measurement Approach (AMA)“ systematisch Schadensfalldaten, berichtet Tiebing. Kleinere Institute, die primär den Basisindikatoransatz anstreben, verzichten auf eine Schadensfalldatenbank. Eine Schadensfalldatenbank wird auch häufig eingesetzt, um auf Grundlage einer verlässlichen Datenbasis später die Operationellen Risiken bewerten und besser steuern zu können.
Von über dreiviertel der befragten Banken werden Daten für das Management von Marktpreisrisiken gesammelt. Auffallend ist, so Tiebing, dass bisher nur wenige Banken systematisch Daten aus schlagend gewordenen Liquiditätsrisiken und Geschäftsrisiken sammeln. Dies liegt daran, dass in den meisten Instituten das Geschäftsrisiko nicht betrachtet wird und das Liquiditätsrisiko meistens im Markt- bzw. Kreditrisiko untergeht. Bei Strategierisiken werden von den Instituten bisher keine Anstrengungen unternommen, Datenhistorien aufzubauen.
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Everling Advisory Services ist ein Unternehmen, das mit dem Bonitätszertifikat @rating Quality Label versehen wurde. Einsicht in die damit verbundene @rating Bewertung gibt http://www.cofacerating.de.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Oliver Everling
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